So lange brauchst du, wenn du eine Infografik erstellen willst

„Wir brauchen eine Infografik über erneuerbare Energien. Wie lange brauchst du dafür?“

Kommt dir diese Frage bekannt vor? Dann kennst du auch das Problem, dass man als Grafiker diese Frage kaum pauschal beantworten kann.

Ich zeige dir heute wie man die Dauer kalkulieren kann, wenn du eine Infografik erstellen möchtest. Nach dem Lesen weißt du, welche Schritte nötig sind und wie lange man etwa dafür braucht. Die Stundenangaben sind dabei mittlere Erfahrungswerte für eine durchschnittlich aufwendige Online-Infografik mit Illustrationen. Du kannst sie als Orientierung nehmen und als Basis für deine eigenen Projekte nutzen.

Anleitung und Zeitplan - Infografik erstellen

Themenfindung mit Grundidee und breiter Recherche – 8 Stunden

Eine Infografik muss in erster Linie einen bestimmten Sachverhalt erklären. Erst im zweiten Schritt geht es um schöne Illustrationen, das Design, die Texte und ähnliches.

Darum ist das erste und allerwichtigste bei deiner geplanten Infografik immer die Themenfindung:

  • Welche Information soll durch die Infografik vermittelt werden?
  • Welche Idee soll hinter der Infografik stecken?
  • Welcher rote Faden führt durch die Grafik?
  • Wie erzählst du deine Geschichte so, dass deine Leser begeistert sind?
  • Was soll der Aufhänger für deine Infografik werden?

In diesem Schritt geht es darum möglichst viele Informationen zu dem Thema zu finden. Schränke dich nicht zu sehr ein, auch wenn du dir eigentlich schon sicher bist, wie die Infografik später aussehen soll. Je breiter deine Informationen sind, desto einfacher ist es später die passenden Daten für deine Geschichte zu finden und sie richtig einzuschätzen.

Gezielte Datenrecherche – 8 Stunden

Du hast jetzt schon eine ungefähre Idee und weißt wonach du suchen musst. Nach dem allgemeinen Überblick, geht es nun in die Tiefe.

Achte auch darauf, wer die Daten zur Verfügung gestellt hat. Eine Studie, die von einem Unternehmen in Auftrag gegeben ist, kann beeinflusst sein. Stammen die Informationen von einem unabhängigen Institut oder einer Behörde, dann sind sie wahrscheinlich neutraler.

Durch die intensive Arbeit an dem Thema fallen dir sicher schon ein paar Ideen ein, wie man die Geschichte der Infografik erzählen kann.

Inhaltliches und visuelles Konzept entwickeln – 4 Stunden

Ab jetzt ist Teamarbeit angesagt. Das Design und der Inhalt kommen zusammen und sollen am Ende des Tages ein stimmiges Gesamtkonzept ergeben.

Wie gut oder schlecht die Infografik wird, hängt nämlich auch zu großen Teilen davon ab, ob alle Bereiche gut zusammen funktionieren. Es muss einen gemeinsamen roten Faden geben. Dieser kann auch visueller Natur sein wie z.B. eine Sympathiefigur sein, die durch die verschiedenen Bereiche der Infografik führt.

Wichtig ist, dass wirklich alle Beteiligten wissen, was gefordert und geplant ist. Das erspart bei der eigentlichen Umsetzung viele Korrekturschleifen.

An dieser Stelle solltest du dir das erste Feedback von deinem Auftraggeber einholen. Falls ihm deine Konzeptidee nicht gefällt, kannst du an diesem Punkt noch ohne Probleme und viel Mehrarbeit einen anderen Schwerpunkt für die Infografik finden.

Grobentwurf für Text und Design – zusammen 8 Stunden

Die Daten sind recherchiert, das Konzept steht und ist abgenommen – dann geht es jetzt an den Grobentwurf.

Die Redaktion und die Grafik können einen ersten Entwurf für die Infografik erstellen. Dabei geht es in diesem Schritt noch nicht um die perfekte Illustration oder der ausformulierten Absatz. Viel mehr soll ein erster Gesamteindruck entstehen.

Im Grobentwurf der Infografik reichen die Illustrationen als Skizzen. Für den Text können es auch erst einmal die Überschriften und Platzhaltertexte sein.

Entscheide dich, wie du die verschiedenen Daten und Fakten auf der Infografik verteilst. Guck dir an, wann sich ein stimmiges Bild ergibt. Schiebe die Einzelelemente rum. Probiere unterschiedliche Größen und Diagrammarten aus. Wähle eine passende Textart und Textgröße.

Zum Schluss hast du einen Entwurf, der den Grundaufbau deiner Infografik festlegt.

Je nachdem, was du mit deinem Auftraggeber vereinbart hast, kannst du auch zwei Entwürfe für die Infografik vorschlagen.

Umsetzung der Infografik – 15-20 Stunden

Erst jetzt kommt die Umsetzung der Infografik. Alle Statistiken werden erstellt, die Illustrationen gezeichnet, die Texte ausformuliert, Icons gestaltet und die verschiedenen Bereiche der Infografik umgesetzt.

Je nach Zeichenstil können vor allem die Illustrationen und Designelemente viel Zeit in Anspruch nehmen.

Solltest du unsicher sein, ob dein Illustrationsstil zu den Vorstellungen deines Auftraggebers passt, dann lass dir auch diese von ihm abnehmen. So verhinderst du, dass du alle Elemente noch ein zweites Mal zeichnen musst, weil sie zu einfach / kompliziert / verspiel / grob sind. In besonders schweren Fällen, kann es hilfreich sein, wenn der Kunde eine Beispielgrafik nennt, die ihm vom Stil gefällt.

Parallel wird der Text in die Infografik eingefügt.

Auch hier kann es innerhalb der Umsetzung immer wieder zu kleinen Änderungen kommen, weil ein Satz zu lang ist oder noch Platz ist für eine weitere Zeile.

Finale Korrekturen – 3 Stunden

Zu guter Letzt kommen die finalen Korrekturen. Erst solltest du intern genau kontrollieren, dass sich kein Rechtschreibfehler, die falsche Farbe oder Schrift oder sonstige Stolpersteine eingeschlichen haben.

Solche Fehler sind unnötig und dürfen nicht mehr in der Infografik sein, bevor sie zur Endabnahme an den Kunden geht.

Hat der Auftraggeber seine Infografik gesehen, dann folgen oft noch kleine Änderungen am Text oder an einzelnen Details. Wirklich große Korrekturen sind jetzt nicht mehr eingeplant und sollten auch dank der vielen Zwischenabnahmen nicht notwendig sein.

Fazit – Du brauchst ca. 1 Woche, wenn du eine Infografik erstellen willst

Ja, es dauert wirklich so lange, bis eine Infografik erstellt ist. Hättest du das gedacht?

Da man ja nur selten nur an einem Designauftrag arbeitet, bemerkt man oft gar nicht, wieviel Zeit man tatsächlich gebraucht hat.

Wenn du statistisches Material oder den Text von deinem Auftraggeber geliefert bekommst, verringert sich die benötigte Zeit für die Infografik entsprechend.

Plane also genug Zeit ein und kommuniziere den Zeitplan auch so mit deinen Kunden. Als Außenstehender kann er nicht ja einschätzen, wieviel Arbeite und welche Arbeitsschritte zu der Infografik gehören. Das macht eure Zusammenarbeit einfacher und zufriedenstellender.

Jetzt bin ich neugierig:

  • Wie sind denn deine Erfahrungen?
  • Wie lange brauchst du, wenn du eine Infografik erstellst?
  • Bekommst du die Texte geliefert oder übernimmst du Text und Grafik, wenn du deine Infografiken umsetzt?

Schreib mir deine Antworten in die Kommentare. Ich freue mich darauf!

Gudrun Wegener

Hi, ich bin Gudrun Wegener und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Hey Gudrun. Vielen, vielen Dank für diesen wertvollen Fachartikel. Sehr interessant wie Kollegen die Zeiten messen und veranschlagen. Ich kann mich darin ganz gut wiederfinden, es kommt natürlich auf ganz viele unterschiedlieche Faktoren an, zum Beispiel welches Budget sieht der Kunde vor, demnach passt sich dann auch die Komlexität und Größe der Infografik an. Weiterhin, übernimmst Du als ErstellerIn alle Aufgaben und Bereiche? Da Du, wie ich glaube viel selbst illustrierst, ist dieser Bereich aufwendiger, als wenn Du Templates für PS einkaufts und diese dann auch anpasst. Dafür ist diese slebst-illustrierte infografik dann auch wirklich ein Unikat und entsprechend qualitativ, von den Lizenzen mal ganz abgesehen. Freue mich mehr von Dir zu lesen, vielleicht findet sich ja auch mal eine Kooperation oder so? Gerne möchte ich mich ebenfalls mit einem kleinen Tipp revanchieren: Zur Zeiterfassung, bzw. Dokumentation finde ich das Programm Tyme (LInk: http://tyme-app.com/) super gut. Ist halt für den MAC.

    1. Hallo Arno,

      ich arbeite oft im Team mit Redakteuren bzw. bekomme die Texte vom Auftraggeber geliefert. Dadurch kann ich mich vor allem um das Design und die Illustrationen kümmern. Diese zeichne ich dann immer komplett neu und passend für das Thema und den Kunden. Da ich ursprünglich Illustrationsdesign studiert habe, kommt mir diese Arbeitsweise auch sehr entgegen. 😉

      Wenn man Templates einkauft, kann es halt immer zu Problemen mit den Rechten und Lizenzen kommen. Online-Infografiken sollen ja möglichst oft geteilt und verbreitet werden und dann habe ich keine Kontrolle mehr über die Nutzung der von mir gekauften Templates. Ich hatte den Fall schon einmal, dass die Fotos, die ich einkaufen wollte, sehr viel teurer wurden, als klar war, dass sie für eine Online-Publikation sind… Wie sind da deine Erfahrungen?

      Danke für deinen Tipp zum Tool für die Zeiterfassung. Das werde ich mir mal näher anschauen.

      Es freut mich, dass du dich in meiner Zeitaufstellung wiederfindest. Und klar, wenn es passt, freue ich mich immer über Kooperationen mit anderen Kreativen.

      Viele Grüße aus Hamburg,
      Gudrun

  2. Liebe Gudrun !

    Über den BloKoDe habe ich deine Webseite entdeckt und habe auch schon etwas herumgestöbert. Infografiken finde ich super, da dadurch ein komplexes Thema sehr anschaulich, bildhaft und mit hohem Erinnerungswert umgesetzt werden kann.

    Diesen Artikel fand ich besonders gut, weil er einem als Info-Grafik-Konsument zeigt, wie viel Arbeit hinter einer solchen steckt.

    Liebe Grüße
    Alexandra

    1. Hallo Alexandra,

      vielen Dank für dein Lob. Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit mit den Auftraggebern viel besser verläuft, wenn beide Seite wissen welche Schritte nötig sind und wo man gerade steht. Das macht vieles leichter. 🙂

      Viele Grüße, Gudrun

  3. Hallo Gudrun!
    Was für ein Glück, dass es den Blogger Kommentiertag gibt. Einfach mal Klasse, dass jemand erklärt wie man gute Infografiken erstellt! Danke dafür 🙂

  4. Hallo Frau Wegener,

    ein toller Blog mit sehr gelungenen Artikeln, die auch mal einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Es macht Spaß, zu stöbern und dabie eigene Ideen zu entwickeln. Er hat mich nochmal dazu inspiriert, den inneren Schweinehund endlich zu überwinden und einfach einmal mit der Erstellung von Sketchnotes anzufangen.

    Was mich noch interessieren würde: Welches Setup benutzen Sie für die digitale Erstellung von Sketchnotes? Also welches Zeichentablett, welche Software, welchen Stift usw.?
    Es wäre sicherlich interessant, auch dazu einmal einen Artikel zu lesen. Nicht als ultimative Kaufempfehlung, sondern als Inspiration für den eigenen Arbeitsplatz .

    Viele Grüße
    Rebekka Strauß

    1. Hallo Frau Strauß,
      danke für das Lob. Es freut mich, wenn meiner Artikel dazu inspirieren eigene Ideen umzusetzen. 🙂
      Für meine digitalen Sketchnotes nutze ich das iPad Pro und den iPencil. Aktuell nehme ich die Zeichenapp „Paper 53“, aber auch da lohnt es sich immer mal wider neue Apps auszuprobieren.
      Viele Grüße und viel Erfolg bei Ihren Sketchnotes,
      Gudrun

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